Jeder Begriff, der nicht selbsterklärend ist — kurz erklärt.
Edda — Die wichtigste Quellensammlung der nordischen Mythologie. Es gibt zwei: die Lieder-Edda (altisländische Gedichte) und die Prosa-Edda (um 1220 von Snorri Sturluson). Keine heiligen Texte, sondern Literatur — also von Anfang an Deutung.
Midgard — In der Edda die Welt der Menschen. Im System: die laute äußere Welt, das Treiben, der Autopilot.
Asgard — Die Welt der Götter. Im System: die innere Ruhe, die „immer schon da war" — der Ort, den man wiederfindet, nicht neu erschafft.
Bifröst — Die Regenbogenbrücke zwischen Midgard und Asgard. Im System: der Raum, der sich zwischen Reiz und Reaktion auftut.
Heimdall — Der Wächter der Bifröst mit den schärfsten Sinnen aller Götter. Im System: das Bemerken, die wache Wahrnehmung — das Herz des ganzen Systems. (mehr dazu)
Gjallarhorn — Heimdalls Horn. Es ruft, bevor es zu spät ist — das Signal des Bemerkens.
Thor — Der Donnergott. Im System: der Handlungsimpuls und der Körper — die Energie, die handelt, manchmal bevor gefragt wurde. (mehr dazu)
Odin — Der Göttervater. Im System: Reflexion, Erkenntnis und Deutung — die Geschichte, die wir uns über uns selbst erzählen. (mehr dazu)
Freyja — Göttin der Liebe und Empfindung. Im System: das Fühlen, die Resonanz — was der Körper spürt, bevor ein Gedanke da ist. (mehr dazu)
Loki — Der Wandler, Blutsbruder Odins. Im System: der Automatismus — der „Archivar" deiner Erfahrung, der vergangene Muster vorschlägt. Er lügt nicht, er übertreibt.
Týr — Gott des Mutes und der Ordnung, der für ein höheres Ziel die Hand opfert. Im System: das Thema Stress und seine Wechselwirkungen.
Iðunn — Hüterin der Äpfel, die die Götter jung halten. Im System: das Thema Ernährung.
Nótt — Die Personifikation der Nacht. Im System: das Thema Schlaf und Erholung.
Allostase / allostatische Last — Die Anpassung des Körpers an dauerhafte Belastung: Das System kalibriert sich immer wieder auf einen neuen „Nullpunkt", bis Anspannung sich normal anfühlt. Die Last (Verschleiß) sammelt sich still an. Mehr im Fachartikel →
Bioimpedanzanalyse (BIA) — Messung der Körperzusammensetzung mittels eines schwachen Wechselstroms, der durch den Körper läuft.
Phasenwinkel — Ein Wert aus der BIA und ein Maß für Zellgesundheit: Intakte Zellmembranen ergeben einen höheren Phasenwinkel. Er ist modifizierbar (Training, Ernährung, Erholung). Mehr im Fachartikel →
Viszeralfett — Das stoffwechselaktive Bauchfett um die inneren Organe — gesundheitlich relevanter als das Fett direkt unter der Haut.
Sarkopenie — Der altersbedingte Abbau von Muskelmasse, der ab etwa dem 30. Lebensjahr beginnt — schleichend und ohne Schmerz.
HRV (Herzratenvariabilität) — Die feinen Schwankungen der Abstände zwischen zwei Herzschlägen. Ein Maß für die Balance zwischen Anspannung und Erholung; oft von Ring oder Uhr gemessen.
VO₂max — Die maximale Sauerstoffaufnahme; ein Maß für die Ausdauerleistung und einer der stärksten Einzelwerte für gesunde Lebensjahre. Viele Wearables schätzen ihn näherungsweise.
Trainingszonen (Zone 1 & Zone 2) — Einteilung der Ausdauer-Belastung nach Intensität, meist über die Herzfrequenz (oder den Laktatwert). Zone 1 ist sehr leicht — lockeres Gehen, aktive Erholung; du könntest mühelos singen (grob unter 60 % der maximalen Herzfrequenz). Zone 2 ist ein ruhiges Grundlagentempo, bei dem du dich noch in ganzen Sätzen unterhalten kannst (grob 60–70 % der maximalen Herzfrequenz, unterhalb der ersten Laktatschwelle). Zone 2 baut die aerobe Basis und die Fettverbrennung; um die VO₂max spürbar zu steigern, kommen seltener auch kurze, intensive Einheiten in höheren Zonen dazu.
Sympathikus & Parasympathikus — Die beiden Äste des vegetativen Nervensystems: der Sympathikus aktiviert (Anspannung), der Parasympathikus beruhigt (Erholung).
Neurogenese — Die lebenslange Neubildung von Nervenzellen, vor allem im Hippocampus (Gedächtnis, Emotionsregulation). Der spezifischere Begriff zur Neuroplastizität. Gefördert durch Bewegung (über den Botenstoff BDNF), Schlaf, soziale Bindung und Achtsamkeit — gehemmt durch chronischen Stress. Beim erwachsenen Menschen in den Grundzügen bestätigt, im genauen Ausmaß noch in wissenschaftlicher Diskussion.
Chronischer Stress — Ein dauerhaft aktiviertes Stresssystem mit anhaltend erhöhtem Cortisol. Er hemmt die Neurogenese, steht mit beschleunigter Zellalterung in Verbindung und hält den Reiz-Reaktions-Automatismus am Laufen — gewissermaßen das körperliche Substrat des Loki-Zustands. Der Gegenpol ist nicht Stressfreiheit, sondern die Fähigkeit, wieder herunterzufahren. Mehr im Fachartikel →
Telomere — Schutzkappen an den Enden der Chromosomen und ein Maß für zelluläre Alterung. Chronischer Stress steht mit ihrer schnelleren Verkürzung in Verbindung, Stressregulation und Achtsamkeit mit ihrem Schutz (über das Enzym Telomerase). Ehrlich eingeordnet: Telomere sind ein Konzept zum Verstehen, kein verlässliches Messinstrument fürs Coaching — und „länger" ist nicht pauschal „besser". Grundlagenforschung dazu: Nobelpreis 2009 (u. a. Elizabeth Blackburn).
Prädiktives Gehirn — Das Konzept (u. a. von Lisa Feldman Barrett), dass das Gehirn nicht auf Reize reagiert, sondern sie laufend vorhersagt: „You act first and then you sense." Es wählt die wahrscheinlichste Option — nicht die wahrste.
Affektiver Realismus — Der Befund (aus der Affektforschung um Lisa Feldman Barrett), dass wir unsere eigene Gefühlsreaktion als Eigenschaft der Welt erleben — nicht als das, was sie ist: eine innere Konstruktion. Kurz: Wir fühlen unser Gefühl als Tatsache. Genau deshalb fühlen sich ständiges Tun (Thor), unaufhörliches Denken (Odin) und das Mitfühlen der anderen (Freyja) so „wahr" an. Mehr im Fachartikel →
Free Won't (Libet) — Benjamin Libet zeigte, dass das Gehirn Handlungen vorbereitet, bevor wir uns bewusst entscheiden. Der bewusste Moment ist das Veto-Fenster: die Fähigkeit, eine vorbereitete Handlung noch zu stoppen.
Bereitschaftspotenzial — Die messbare elektrische Vorbereitung einer Handlung im Gehirn, bevor die bewusste Entscheidung fällt.
Default Mode / Salience / Task-Positive Network — Drei Hirnnetzwerke: das automatische Bedeutungssystem, der „Wächter der Aufmerksamkeit" (entspricht Heimdall) und die bewusste Steuerung.
Neuroplastizität — Die Fähigkeit des Gehirns, sich durch Wiederholung umzubauen. Neue Schleifen werden mit der Zeit zur neuen Gewohnheit.
VUCA — Volatil, unsicher (uncertain), komplex, mehrdeutig (ambiguous): eine Beschreibung der modernen Welt, für die unser Gehirn nicht gebaut ist.
MBSR — Mindfulness-Based Stress Reduction: ein achtwöchiges, übungsbasiertes Achtsamkeitsprogramm.
„Die Landkarte ist nicht das Gebiet" — Wir sehen nicht die Realität direkt, sondern unser inneres Modell von ihr — geprägt durch alles, was wir erlebt haben.
Der Raum zwischen Reiz und Reaktion — Die Kernidee: zwischen dem, was passiert, und dem, was wir tun, liegt ein Moment. Ihn zu bemerken, ist der erste Schritt zu einer Wahl.
Abruptor — Die bewusste Unterbrechung: ein tiefer Atemzug mit langem Ausatem, der dem Gehirn signalisiert „kein Notfall, neu berechnen" — die zweite Stufe nach dem Bemerken.
Glückblick — Die Tagebuch-Praxis: am Ende des Tages bewusst auf die guten Momente schauen und sie aufschreiben. Mehr dazu auf glueckblick.com.
Nordstern — Der feste Orientierungspunkt: die Frage, an der du dich ausrichtest, wenn die äußere Welt in Bewegung ist.
Du vermisst einen Begriff? Sag uns Bescheid — wir nehmen ihn auf.