Leseprobe

Drei Auszüge.

Kein Klappentext. Einfach lesen — und schauen, was es mit dir macht.

Aus Kapitel 1 — Greifen

Die Banane in der Kokosnuss

Vielleicht kennst du diese Geschichte.

Eine alte Fangmethode aus Teilen Asiens und Afrikas: Man nimmt eine Kokosnuss. Bohrt ein Loch hinein, gerade groß genug für eine Affenhand. Und legt eine Banane hinein.

Der Affe kommt. Greift hinein. Umschließt die Banane mit der Faust.

Und kann die Hand nicht mehr herausziehen. Nicht wegen des Lochs. Sondern wegen der Faust. Wegen des Festhaltens.

Er könnte loslassen. Die Banane loslassen, die Hand herausziehen, frei sein.

Er tut es nicht.

Wir lachen über den Affen.

Und erkennen uns.

Was hältst du gerade fest? Nicht rhetorisch. Was ist deine Banane?

Aus Kapitel 2 — Heimdall schläft nie

Könnte die Sechs auch eine Neun sein?

Es gibt einen Satz, den ich irgendwann in einer Ausbildung gehört habe. Ich habe genickt. Ich habe ihn abgelegt. Ich habe ihn jahrelang kognitiv verstanden — und gleichzeitig innerlich abgewehrt.

Die Landkarte ist nicht das Gebiet.

Was das bedeutet: Du siehst die Realität nicht direkt. Du siehst das, was dein Gehirn aus deiner gesamten Vergangenheit gebaut hat — aus deinen Prägungen, deinen Erlebnissen, deinen Wunden, deinen Gewohnheiten. Das ist deine Karte. Und diese Karte liegt über allem, was du wahrnimmst.

Wenn ich das in Seminaren vorstelle, passiert meistens dasselbe: Stille. Und dann, leise oder laut, der Gedanke — bei mir ist das anders. Ich sehe die Dinge, wie sie sind.

Ich kenne diesen Gedanken. Ich hatte ihn selbst.

Stell dir zwei Menschen vor, die sich gegenüberstehen. Zwischen ihnen liegt eine Zahl auf dem Boden. Der eine sieht eine Sechs. Der andere sieht eine Neun. Beide haben recht. Beide sehen dasselbe Ding — und sehen etwas völlig anderes.

Keiner lügt. Keiner irrt sich. Jeder schaut von seinem Platz aus.

Das ist der erste Schritt zwischen Reiz und Reaktion. Nicht denken. Nicht fühlen. Nur: kurz heraustreten. Und fragen — könnte die Sechs, die ich gerade sehe, auch eine Neun sein?

Aus Kapitel 9 — Loki lacht

Das Archiv endet gestern

Du kennst ihn schon.

Nicht von hier — von früher. Von dem Moment, wo du dir sicher warst, etwas richtig zu machen. Und es dann doch nicht war. Von der Entscheidung, die sich so klar angefühlt hat, dass du gar nicht mehr nachgefragt hast.

Er hat alles, was in deinem Leben je passiert ist, abgespeichert. Jede Erfahrung. Jedes Muster. Jedes Mal, das funktioniert hat. Jedes Mal, das schiefgegangen ist. Er ist der Archivar deines Lebens — hochintelligent, blitzschnell, und absolut gut gemeint.

Aber das Archiv endet gestern.

Was morgen kommt, steht dort nicht. In einer Welt, die sich so schnell verändert wie heute, wird seine Gewissheit zur Falle. Nicht weil er lügt. Sondern weil er mit einer Steinschleuder antritt — in einer Zeit, die ein Laserschwert braucht.

Loki lügt nicht. Loki übertreibt. Er greift ins Archiv — und schickt das Beste, was er hat. Es ist nur nicht immer das, was du jetzt brauchst.

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